Am Wochenende war Bochum Total. Das ist ein Umsonst-und-Draußen Festival in Bochum, mit mehreren Bühnen und mehreren Tausend Besuchern. Es laufen auch unterschiedliche Musik-Richtungen auf den Bühnen, und es gibt zwischen den Bühnen jede Menge Stände. Am Sonntag war ich auch da. Und es war einer der stressigsten Tage, die ich in den vergangenen Jahren erleben musste.
Stress beeinflusst mein Denken. Ich fühle mich persönlich bedroht, vielleicht sogar angegriffen und ich bin furchtbar ungeduldig. Erst versuche ich zu fliehen. Und wenn das nicht klappt aus irgendeinem Grund, dann werde ich aggressiv.
Ich werde erst noch stiller als sonst und verkrampfe mich. Ich trinke mehr, wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme, und ich rauche sogar. Ich fange an, Leute zu kritisieren und über sie herzuziehen, ohne dass sie mir etwas getan haben müssen. Ich finde sie generell unhöflich, respektlos, ambitionslos, dumm und häßlich. Dabei können es ganz banale Sachen sein, die mir diesen Eindruck vermitteln, z.B. Kleidungsstil oder Dialekt.
Mein Feindbild ist dann auch nicht fest. Mal habe ich was gegen die einen, mal gegen die anderen. Es geht mir dann wohl mehr darum, meiner Aggression freien Lauf zu lassen, als tatsächlich irgendetwas damit zu sagen. Und leider kann es dann sogar mal meine Freunde von mir erwischen. Ich vertrage dann keinen Spaß. Ich werde nicht handgreiflich oder so. Aber am liebsten würde ich irgendwas größeres kaputt treten.
Der Stressabbau ist dann auch eine schwierige Angelegenheit. Zu allererst muss ich weg von dem, was den Stress verursacht. Und dann brauche ich eine Weile, bis ich wieder das Gefühl habe, sicher zu sein. Gestern lag ich noch einige Zeit wach in meinem Bett, weil ich nicht schlafen konnte.
Mit Menschenmassen und Techno- oder Hiphop-Musik komme ich sonst gut zurecht. Normalerweise wäre ich da durch spaziert mit offenen Augen und hätte mir alles mal angesehen. Aber was mich gestresst hat, war dieses Gefühl von Termindruck.
Wir haben auf Leute warten müssen, die ewig gebraucht hatten, weil die Bahnen so lange brauchten. Wir liefen hier hin, dann da hin, und ich konnte meinen Weg nicht alleine bestimmen, weil ich ständig bei den anderen bleiben musste. Ich wäre ja sonst verloren gegangen. Ich musste warten, ich musste mich beeilen, ich musste schauen, wo die anderen sind, und ich konnte mir weder irgendwas in Ruhe angucken noch essen. Und wir wollten ja noch diese Band sehen.
Das nächste Mal fahre ich besser selbst oder in einer kleinen Gruppe hin. Wir verabreden vorher einen Zeitpunkt und einen Ort, wo wir uns wiederfinden, wenn wir uns mal verlieren. Und ansonsten viel Spaß. Aber dieses Herdenverhalten ist einfach nichts für mich.
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