Donnerstag, 17. Oktober 2013

an obligation to daydream

Heute habe ich etwas gelesen, was eigentlich offensichtlich ist, aber was ich nie aus diesem Blickwinkel gesehen hatte. Gelesen habe ich es in diesem Artikel, ein Ausschnitt einer Lesung, die Neil Gaiman vor ein paar Tagen für eine "Reading Agency" gehalten hat: Neil Gaiman: Why our future depends on libraries, reading and daydreaming

In dem Artikel geht es unter anderen darum, warum Lesen wichtig ist, warum öffentliche Bibliotheken zugänglich sind, und was wir unseren Kindern und unserer Zukunft schuldig sind. Und es geht darum, warum Tagträumereien und Vorstellungskraft wichtig sind. Und genau dieser Abschnitt war es, der mich einen Augenblick lang inne halten ließ.

Die Stelle im Artikel lautet so:


We all – adults and children, writers and readers – have an obligation to daydream. We have an obligation to imagine. It is easy to pretend that nobody can change anything, that we are in a world in which society is huge and the individual is less than nothing: an atom in a wall, a grain of rice in a rice field. But the truth is, individuals change their world over and over, individuals make the future, and they do it by imagining that things can be different.
Look around you: I mean it. Pause, for a moment and look around the room that you are in. I'm going to point out something so obvious that it tends to be forgotten. It's this: that everything you can see, including the walls, was, at some point, imagined. Someone decided it was easier to sit on a chair than on the ground and imagined the chair. Someone had to imagine a way that I could talk to you in London right now without us all getting rained on.This room and the things in it, and all the other things in this building, this city, exist because, over and over and over, people imagined things.

Ich gehe davon aus, dass ich diesen Text für Dich nicht übersetzen muss. Aus diesem Text habe ich vor allem zwei Dinge mitgenommen:

  1. Selbst wenn wir uns noch so klein und unbedeutend fühlen, wenn die Gesellschaft und die Welt um uns herum zu groß erscheint, um etwas an ihr zu ändern, dann kommt uns das nur so vor. In Wirklichkeit haben Veränderungen immer mit einzelnen Menschen angefangen, die sich Dinge vorgestellt haben, die anders sein könnten.
  2. Fast alles, um uns herum, war irgendwann mal nur eine Vorstellung im Kopf eines einzelnen Menschen. Vom Stuhl, auf dem wir sitzen, über sämtliche Technologie, die nötig ist, damit Du diesen Text hier lesen kannst, bis zu der Kleidung, die wir tragen. Ohne einen Menschen, der die richtige Idee und die nötige Vorstellungskraft hatte, wäre das alles nicht möglich gewesen.
Es geht also nicht unbedingt darum, die Welt zu verbessern und die großen Probleme von heute zu lösen. Es geht um das, was heute alltäglich ist, um Stühle, Internet, Besteck oder Kleidung. Veränderungen fangen in den Köpfen einzelner Menschen an, Menschen wie Du und ich. 

Und manche Dinge sind mittlerweile so selbstverständlich geworden, dass wir kaum noch darauf achten oder darüber nachdenken. Aber wenn man mal anhält, und sich umsieht, entdeckt man so einiges, was sich verändert hat. Und was früher bloß in der Vorstellung eines einzelnen Menschen existierte.

Was ich mit all dem sagen will: Vielleicht steckt mehr in Dir, als Du vermutest. Vielleicht bist Du dieser eine Mensch mit der Vorstellungskraft, bei der die richtige Idee nur darauf wartet, endlich entdeckt zu werden. Und gebe nicht einfach auf, weil Du Dir machtlos vorkommst.

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